»Amerikatrip begeistert«

Reimlingen (cei) - Es war ein mitreißendes Konzert, das Susanne Ortner-Roberts (Klarinette) und Tom Roberts (Flügel) einem restlos ausverkauften Konzertstadel am Sonntagabend in Reimlingen boten. Tosender Applaus vom ersten Lied an ist Beweis genug, dass dem Nördlinger Kulturforum mit der Verpflichtung des Duos wieder einmal ein großer Wurf gelang. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Ein Hauptgrund ist sicherlich die hohe Kunst der Beherrschung der Instrumente von beiden, an Virtuosität sind sie sowieso kaum zu überbieten. Doch ein ganz wesentlicher Aspekt ist die äußerst sympathische Ausstrahlung beider Künstler und die Art des Vortrages. Einerseits der eher lässige, vom Scheitel bis zur Sohle durch und durch amerikanische Tom Roberts, der mit einem beachtlichen deutschen Wortschatz (Schweinebraten und eine Maß Bier) punkten kann, andererseits die charmante Susanne Ortner-Roberts, die durch ihre bezaubernde Art (der Wissensvermittlung) durch den Abend führt.

Entscheidend ist der Musikmix
Doch entscheidend für den Erfolg ist zweifelsohne ihre Musik. Oder genauer: die Mischung in ihrer Musik. Sie selbst bezeichnen ihr Konzertrepertoire liebevoll als „jiddisch-kreolische Fusion“, als eine Verschmelzung zweier anscheinend nicht verwandter musikalischer und kultureller Stile, resultierend aus der Liebe zu den jeweiligen musikalischen Fachgebieten und weniger aus politischen oder soziologischen Gesichtspunkten.

Susanne Ortner-Roberts kommt quasi vom Klezmer. Pulsierende Freylekhs und Bulgars, betörende Doinas und Horas sind ihr bestens vertraut. Ihr Markenzeichen sind die für den Klezmer typischen Elemente auf der Klarinette, die sie dank einer besonderen Technik wunderbar intoniert. Beeindruckend ihre Schnelligkeit und Ausdruckskraft, die sie in „Meschuggene Mekhutonim“ oder in „Terkisher“ unter Beweis stellt.

Kreolisches Element kommt vom Piano
Das kreolische Element des Konzertabends kommt vom Piano. Oder eher von einem Steinwayflügel. Zur Verfügung gestellt hat das rund 40 Jahre alte Prachtstück das Klavierhaus Hildebrand, dessen Klang wohl nicht nur Tom Roberts in Verzückung versetzt haben dürfte. Sein Klavierstil ist atemberaubend und bekannt unter dem Stichwort „Harlem Stride“. Beeindruckend seine Virtuosität bei einem Stück namens „Fingerbrecher“ von Jerry Remarten. Wunderbar seine Begleitung bei „Petit Fleur“ von Sidney Bechet oder bei einer Bearbeitung einer Csardas von V. Monti.

Tom Roberts ist vieles an diesem Abend, aber am meisten ist er Jazzpianist. Er verantwortet das „Kreolische“ in der Fusion. Diese kam 1890 mit einer großen schwarzen Einwanderungswelle aus dem ländlichen Süden in die nordamerikanischen Hafenstädte, allen voran nach New York.

Beeindruckende Reise
Mit dem „Trip to America“ gelang dem Duo eine beeindruckende Reise in die (musikalische) Vergangenheit Amerikas, eine Dokumentation musikalischer Verschmelzung ethnischer und religiöser Gruppen.