»Im Wohnzimmer auf den Teppich legen«

Lauterbach Wenn eine leidenschaftliche Klarinette auf ein „hot“ piano trifft, dann sprühen musikalisch die Funken. Bei Susanne Ortner-Roberts (Klarinette) und ihrem Mann Tom Roberts (Klavier) fing das Publikum bereits nach den ersten Takten Feuer.

ALFA

Ihr exzellentes Konzertprogramm, das besonders treffend mit „Hot World Chamber Music“ umschrieben werden kann, verzauberte die Zuhörer vor allem durch die Verschmelzung verschiedener musikalischer Genres, von Klezmer über Harlem Stride bis hin zu Swing, Calypso, Gipsy, Tango, griechischer Rembetika und Pariser Valse Musette.

Das Paar begeisterte durch seine raffinierten Arrangements der „Weltmusik“, sein ausdrucksstarkes, ja leidenschaftliches Spiel, sein blindes Verständnis und seine persönliche Ausstrahlung.

Neben Klassikern wie „Czardas“ von V. Monti oder „Someday Sweetheart“ von F. Morton gehörten vor allem musikalische Dauerbrenner aus der Jazz-Ära der 20er und 30er Jahre zu ihren grandiosen Arrangements. Legendäre Namen wie Benny Goodman, Jelly Morton, Sidney Bichet, George Gershwin oder Duke Ellington feierten fröhliche musikalische Urständ und rissen das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus hin.

Dann zog wieder der Harlem Stride in „Allegheny Rag“ oder die osteuropäische Klezmer- und Gipsy-Musik wie in „Terkisher“ die Zuhörer in ihren Bann.

Wie entstehen die Werke

Die beiden international agierenden Musiker gaben auch Einblick in ihre persönliche Arbeitsweise: Wie entstehen eigene Werke, wie die exzellent aufeinander abgestimmten Verschmelzungen unterschiedlicher Stilrichtungen? Man lege sich einfach im Wohnzimmer auf den flauschigen Teppich, höre alte Schellackplatten, kicke dem Hund ab und zu den Ball zu und warte auf Inspirationen.

Dass sie Inspirationen bündelweise haben und in mitreißende Musik umsetzen können, bewiesen die beiden zweieinhalb Stunden lang immer wieder auch mit eigenen Kompositionen, die das fröhliche und „meschuggene“ Element der jiddischen Musik widerspiegelte.

Gerhard Sauter von der Kleinkunstbühne bedachte sie mit Frühlingsblumen für den bunten Strauß „Hot World Chamber Music“. (mas)

Augsburger Allgemeine Zeitung, 29.04.2010