Jazz, Tango, Gipsy, Mozart - Kabinettstücke für Klarinette DeutschFlag

09. september 2011

Jazz, Tango, Gipsy, Mozart – Kabinettstücke für

Klarinette

 

Die Ausnahmesolistin und frühere Vöhringer Realschullehrerin Susanne Ortner lebt für die Musik Von Ursula Katharina Balken


Sie ergänzen sich kongenial – Susanne Ortner, Klarinette, und ihr Mann Tom Roberts, am Flügel. Die musikalische Vielfalt des Duos erlebten zahlreiche Zuhörer im Wolfgang-Eychmüller-Haus.
Foto: Foto: Ursula Katharina Balken

 

Vöhringen Ganz schön mutig! Susanne Ortner, einst Lehrerin an der Realschule Vöhringen, verzichtet auf das sichere Salär einer Beamtin, um sich ganz ihrer Passion zu widmen. Nein, mehr noch – wer sie beim Spiel erlebt, muss schon von Hingabe zur Musik sprechen. Mit einer unglaublichen emotionalen Intensität begeistert sie mit ihrer Klarinette immer wieder die Zuhörer, wobei ihr Mann Tom Roberts zu einem kongenialen Partner wird, ihr ebenbürtig, musikalisch versiert, sodass man zu Recht vom „Ortner-Roberts-Duo“ sprechen kann.

War sie im vergangenen Jahr zu einem Workshop an ihrer alten Wirkungsstätte, so trat sie dieses Mal in einem gut besuchten Konzert im Wolfgang-Eychmüller-Haus auf. Gastgeber war die Stadt Vöhringen, wenngleich die Kontakte auch auf ungewöhnliche Weise zustande gekommen waren. Der Prinzipal des Vöhringer Podiums, Peter Kelichhaus, erhielt eines Tages einen Anruf aus Amerika. Ob er nicht über seine Bühne ein Konzert arrangieren könne, fragte Susanne Ortner. Kelichhaus wandte sich an Bürgermeister Karl Janson, der die Gastgeberrolle übernahm und am Konzertabend auf die ungewöhnliche Karriere von Susanne Ortner hinwies.

In allen Stilrichtungen der Musik zu Hause

Zu Hause ist das Ortner-Roberts-Duo in allen Stilrichtungen der Musik, was sie „Hot World Chamber Music“ nennen. Der Name ist Programm. Da gibt’s die Klezmermusik, den Gipsy, den Jazz, den Tango, die Klassik, Letzteres sehr eigenwillig interpretiert. Susanne Ortner übernimmt mit ihrem Instrument den Part der Pamina „Ach, ich fühl’s“ aus Mozarts „Zauberflöte.“ Anfänglich elegisch in reinen, schnörkellosen Phrasierungen, wird daraus durch akzentuierte Rhythmen eine kleine, aber liebenswerte Burleske.

Ob es Musik aus den 30er Jahren ist, mit denen Big Bands die Säle füllten, der gefühlvolle Tango, der in atemberaubendem Presto geblasene Gipsy, hinter dem sich ein bekannter Csardas verbirgt, Susanne Ortner entwickelt eine Virtuosität ohne gleichen. Ihre Finger gleiten über die Klarinette und erzeugen nahezu einen Gissando-Effekt, sie erklimmt absolut tonrein die höchsten Höhen um in sonore Tiefen abzugleiten, wobei sie nicht nur durch ihre technische Versiertheit und traumhafte Sicherheit besticht, sondern vor allem durch ihr Sentiment. Das wird besonders deutlich, wenn sie Klezmer spielt, wenn Trauer und Melancholie eines geschundenen Volkes die Herzen der Zuhörer anrührt.

Ihren außergewöhnlichen Weg hat Helge Fuhst in einem kleinen Bändchen nachgezeichnet. Denn eines wusste Susanne Ortner genau: Nur in den USA konnte sie die Leichtigkeit des musikalischen Seins erfahren. Das Büchlein ist betitelt „Living The Dream“. Susanne Ortner hat sich einen Traum erfüllt. Dass sie dabei glücklich ist, zeigt sie in ihrem beseelten Spiel, eindrucksvoll, vielgestaltig und ungemein ausdrucksstark. Kleine Kostproben aus dem kleinen Band liest sie selber vor. Der Abend endet in einer fröhlichen Runde im Oberen Foyer, wo Susanne Ortner mit ehemaligen Schülern und Lehrern zusammentrifft. Ihr Fazit: Ich habe meinen Weg gefunden, den sie zusammen mit Ehemann Tom Roberts geht.