Reise führt durch die Musikkulturen EnglishFlag

Reise führt durch die Musikkulturen



Stadtbergen Klezmer trifft Klassik: Wenn sich die leidenschaftlichen Klarinettenklänge von Susanne Ortner mit dem heißen Pianosound des Amerikaners Tom Roberts vereinen, kann man sich auf eine virtuose Reise quer durch alle Musikkulturen freuen. Das versierte Duo begeistert sein Publikum bereits seit Jahren mit einem Stil übergreifenden Repertoire an traditionellen Rhythmen und hat nun im Bürgersaal auf einen spannenden Streifzug durch die Lieder der Welt eingeladen. Von Thomas Hack

"Hot World Chamber Music" nennen Susanne Ortner und Tom Roberts das Musikprogramm, das sie im Bürgersaal mit großem Erfolg servierten.
Foto: Thomas Hack

Das Paar schöpft seine Ideen aus den unterschiedlichsten Ländern und Stilen, wobei es auch vertraute Arrangements in außergewöhnlicher Weise neu interpretiert und kombiniert. Die unverfälschte Spielfreude der beiden Künstler ließ den musikalischen Funken ihrer "Hot World Chamber Music" von Anfang an auf das Publikum überspringen. Eine interkulturelle Entdeckungsreise führte die Gäste von der schwülen Hitze New Orleans' bis tief hinein in die schummrigen Hinterzimmer von Buenos Aires. Zünftige Zigeunerweisen verschmolzen harmonisch mit kreolischen Klängen, Tanzmelodien aus der Türkei trafen auf die exotischen Rhythmen Trinidads.

Ebenso facettenreich zeigte sich die zeitliche Spannweite: Das Künstlerduo präsentierte mal große Werke aus der Stummfilmzeit, dann wieder selbst geschaffene Stücke, die noch nicht einmal einen Namen erhalten haben. Während Roberts' verträumte Eigenkomposition "Allegheny Rag" die Gäste in den "deutschen" Stadtteil von Pittsburgh entführte, erzählte "Nature Boy" von einem rastlosen Tramp, der nach langer Reise durch die Staaten zu sich selbst gefunden hat.

Religiöse Spirituals in betörenden Tangorhythmen sind für das Ensemble genauso selbstverständlich wie das Einweben früher Calypsomusik in die klassischen Klavierklänge Antonín Dvoráks. Tosenden Beifall gab es für den ungarischen Csárdás von Vittorio Monti: Man meinte eine ganze jiddische Fiddlergruppe vor sich zu haben, als die flinken Finger von Susanne Ortner zu den rasanten Klavierläufen über die Klarinette schwebten.

Ihre beachtliche Bühnenpräsenz reicherten die beiden Künstler noch zusätzlich mit einer gehörigen Portion Humor an. So meinte Susanne Ortner fast schon beiläufig über ihren Gatten und Pianisten: "Ich habe das Programm geändert, deswegen ist er jetzt verwirrt". Herzerfrischend auch der Sprachwitz von Tom Roberts, der gerne mal schwäbische Wortschöpfungen wie "Saberlott" und "Heidanei" mit einem herrlichen American Slang zum Besten gab.