Wolfgang Amadé trifft auf den Calypso-Rhythmus

Neusäß-Westheim, 03.02.2011

Neusäß-Westheim. Mit der Konzertreihe „Philippustöne“ geht die evangelische Pfarrgemeinde in Westheim bewusst neue Wege. Pfarrerin Bettina Böhmer-Lamey möchte die Kirchentüren für alle Menschen öffnen, und die Gäste sind zahlreich erschienen. Viele Zuhörer kannten Susanne Ortner bereits aus früheren Konzerten. Die beiden sympathischen und hochklassigen Musiker umschreiben ihr aktuelles Repertoire mit „alles, was schön ist“, und entführten auf eine musikalische Weltreise.

Sigrid Wagner

Auf äußerst sympathische Weise führte das Musikerehepaar Susanne Ortner und Tom Roberts beim Auftritt in der Westheimer Philippuskirche durch seine musikalische Welt.        Foto: Sigrid Wagner

Zu hören ist ein kunterbunter Mix von Edith Piaf bis Wolfgang Amadeus Mozart, Filmmusiken aus Charly Chaplins Zeiten und vielen Kompositionen von Benny Goodmann. Doch sie spielen es auf ihre ganz besondere Art und Weise und verschmelzen Melodien aus aller Herren Länder. Die Umschreibung des Musikstils gelingt am besten mit „Hot World Chamber Music“.

Den Auftakt gaben sie mit einem Spiritual, aber in ihr „Deep River“ mischten sich Tangorhythmen mit Klassik und einem Hauch von Swing. Selbst Schwäbisches war dazwischen, denn auf äußerst sympathische Weise begrüßte Tom die Zuhörer in hiesiger Mundart. Sein amerikanischer Einfluss war nicht ganz zu überhören, auch in der Auswahl der zahlreichen Musikpräsente, die sie anschließend darboten. Benny Goodmans Geist lebte auf in den wundervoll weichfließenden Klängen von Klarinette und Klavier. Stücke bis in die 50er-Jahre gaben Grundlage für die rasanten Tempi, und Tom Roberts Finger flogen nur so über die Tasten. Auch die ersten Jazzmusiker inspirierten die beiden Vollblutmusiker und rissen das Publikum mit den fetzigen Takten mit. Bei „China Boy“ zeigte Tom Roberts, dass er neben Klavier auch gleichzeitig noch trommeln und mit Leichtigkeit zwei Instrumente gleichzeitig spielen kann.

Heimische Klänge folgten danach. „Mozart in Calypso fine“ würde man auf einer Speisekarte lesen, und serviert wurde die Arie der Pamina aus der Zauberflöte „Ach ich fühl’s, es ist verschwunden“. Traumhaft schön, wie sich die Klarinette mit dem Klavier die Noten teilte und Zeit- und Stilepochen vereinte.

Im gleichsam ruhigeren Stil war auch die Mischung von Hymne mit Gospelsong gewählt, um dann wieder griechische Takte mit Jazz zu vereinen. Krönender Abschluss war Toms Eigenkomposition „Allegheny Rag“. Direkt aus dem amerikanischen Pittsburgh nach Westheim, ein Vagabundenstreich mit exzellenter Qualität. Ragtime music - wie man sie selten erlebt. Sigrid Wagner