»Zwei Musiker, die sich blind verstehen«

Duo Ortner-Roberts in Aichach

 

Aichach „Eine Ehe von Klezmer und Harlem Stride“ nennen Susanne Ortner-Roberts und Tom Roberts ihre Musik. Dass das eine glückliche Verbindung ist, konnten etwa 150 Zuschauer am Sonntag im Pfarrsaal St. Michael genießen. Das Duo begeisterte die Zuhörer mit einem musikalischen Streifzug durch Amerika und bot eine bunte Mischung verschiedener Musikstile. Anlass für das Konzert war das 20-jährige Bestehen der Familienpflegestation des Katholischen Deutschen Frauenbundes in Aichach.

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ALFA

Sie spielt Klarinette mit geschlossenen Augen

Dass sich diese zwei Musiker blind verstehen, kann man nicht nur hören, sondern auch sehen. Susanne Ortner-Roberts spielt die Klarinette mit geschlossenen Augen, Tom Roberts am Klavier nimmt die Melodien auf, variiert, gibt sie an seine Partnerin zurück. Die beiden improvisieren viel: „Vielleicht die Hälfte an den Stücken ist bei jedem Auftritt gleich, der Rest von Mal zu Mal anders“, erklärt Susanne Ortner-Roberts. Dennoch sitzt jede Note. Das Publikum lauscht fast andächtig den ruhigeren, melancholischen Stücken und würde bei den schnelleren wohl am liebsten aufspringen und mitgehen.

Nicht nur von der Musik ist das Publikum begeistert, auch von dem sympathischen Auftreten des Duos. Tom Roberts lernt zwar gerade erst Deutsch, begrüßt aber die Zuhörer trotzdem auf Bayrisch. Die beiden führen in die meisten Stücke kurz ein und beweisen so ihre musikalische Vielseitigkeit: Von jiddischer Klezmer-Musik über Ragtime und Harlem Stride bis hin zu Tango und Klassik finden sich die verschiedensten Einflüsse in ihrer Musik wieder.

Viele Titel sind arrangiert, einige selbst komponiert. Das Duo beweist auch, dass man sehr wohl zu zweit ein Stück des Benny-Goodman-Trios nachspielen kann - die Trommel muss dann eben jeweils derjenige spielen, dessen Instrument gerade eine kleine Pause hat.

Susanne Ortner-Roberts ist eine gebürtige Meitingerin. Tom Roberts lernte sie in Pittsburgh, USA; kennen und lieben. Seit etwa zweieinhalb Jahren machen die beiden gemeinsam Musik und haben gerade die CD „A trip to America“ herausgebracht. Sie leben teilweise in Bayern, teilweise in den USA - denn beiden ist ihre Heimat so wichtig, dass sie sie nicht ganz aufgeben wollten. Tom Roberts hat für den Pittsburgher Stadtteil, aus dem er kommt, sogar ein eigenes Stück geschrieben. So hat das Duo zu fast jedem Titel einen ganz persönlichen Bezug, den sie dem Publikum auch nicht verschweigen.

Eines der schönsten Stücke ist das, in dem es um „Die fröhlichen Schwiegerleute“ geht. „Es erinnert mich an unsere Eltern, weil sie auch so vergnügt waren, als sie erfuhren, dass sie Schwiegerleute werden“, sagt Susanne Ortner-Roberts dazu mit einem Augenzwinkern.